Sprecherpreise – Was Verdient Man Eigentlich Als Sprecher?

Sprecherpreise- Was verdient man als Sprecher?

Als Sprecher arbeitest du in den meisten Fällen selbstständig. Bedeutet: DU machst deine Sprecherpreise. Hört sich auf Anhieb nicht so verkehrt an, ist aber, wenn man mal kurz darüber nachdenkt, gar nicht so eine leichte Aufgabe. Gerade wenn du relativ frisch im Business ist. Du willst dich nicht unter Wert verkaufen, aber auch auf gar keinen Fall zu viel Geld verlangen, da das Risiko, nicht gebucht zu werden, hoch ist. Es gibt schließlich Sprecher wie Sand am Meer und auch immer Sprecher, die weniger Gage verlangen.

In manchen Fällen wirst du auch mit einer genauen Gagenvorstellung angefragt, die der Auftraggeber zahlen kann und möchte und du musst nur noch entscheiden, ob du den Job für das Geld machst oder eben nicht. Trotzdem wäre es natürlich wichtig zu wissen, was nimmt man denn so, für eine kleine Rolle im Hörspiel, einen Radiospot oder einen Imagefilm, der im Netz laufen soll?! Was sind übliche Sprechergagen? Schließlich will keiner über den Tisch gezogen werden. Niemand erfährt gerne im Nachhinein, dass er das Doppelte hätte verlangen können und der Auftraggeber es ohne mit der Wimper zu zucken gezahlt hätte.

Nützliches Hintergrundwissen, um Sprecherpreise selbst zu verhandeln oder zumindest um zu verstehen, wie Sprecherpreise in den wichtigsten Bereichen entstehen.

 

Thema Werbung. Welche Faktoren spielen bei der Gagenfindung eine Rolle?

  1. Die Erfahrung und der Bekanntheitsgrad des Sprechers. Logisch – wie in jedem anderen Beruf auch, verdient ein Meister seines Fachs immer mehr, als ein Lehrling.

2.   Der wirtschaftliche Nutzen. Je mehr der Auftraggeber aus deiner Arbeit herauszieht, desto größer wird deine Gage. Kommt deine Stimme beispielsweise in großen Werbespots für renommierte Marken zum Einsatz, verdienst du mehr, als wenn du für kleine, regionale Unternehmen arbeitest.

3.   Das Layout. Die Layout-Gage begleicht einmalig deinen Aufwand, den du im Studio für die Aufnahme betreibst. Wenn sich der Auftraggeber keine Verwertungsrechte sichert, darf er diese Aufnahme auch nicht öffentlich verwenden. Eine übliche Layoutgage für einen Spot beträgt 250 €.

4.   Buyout – Die Verwertung für TV, Kino, Funk und Internetspots. Verwertungsrechte teilen sich in drei verschiedene Bereiche auf: zeitlich, räumlich und inhaltlich.

Verwertung Zeitlich:

dem Auftraggeber wird das Verwertungsrecht für beispielsweise einen Werbespot, der im Fernsehen laufen soll, für eine bestimmte oder unbegrenzte Zeit eingeräumt. Beispiel: Für einen Spot, der ein Jahr im deutschen Fernsehen laufen darf, erhältst du abzüglich deiner einmaligen Layoutgage 600 €. Für jedes weitere, sukzessive hinzugebuchte Jahr, kannst du erneut 100% in Rechnung stellen. Möchte der Auftraggeber, dass du ihm zeitlich unbegrenzte Nutzungsrechte einräumst, wird das Buyout mit dem Faktor 3 multipliziert (600 € x 3 = 1800 €).

Verwertung Räumlich:

dem Auftraggeber wird das Verwertungsrecht für einen Werbespot, der im Fernsehen laufen soll, für einen bestimmten Bereich eingeräumt. Regional, national, komplett deutschsprachiger Raum, europaweit oder weltweit. Wie oben beschrieben, ist eine übliche Gage für einen TV-Spot, der national läuft, 600 € abzüglich deiner Layoutgage. Für jedes weitere Land  kannst du noch einmal 100% des Buyouts berechnen. Eine räumlich unbegrenzte Nutzung weltweit wird mit dem Faktor 4 berechnet (600 € x 4 = 2400 €).

Verwertung Inhaltlich:

dem Auftraggeber wird das Verwertungsrecht für beispielsweise einen Werbespot, der im Fernsehen laufen soll, genau für dieses bestimmte Medium eingeräumt. Möchte der Auftraggeber den Spot nicht nur im Fernsehen, sondern auch für Funk, Kino und Internet verwenden, muss er sich zusätzlich die Verwertunsgrechte für diese Medien sichern. Beispiel (alle Verwertungsrechte für 1 Jahr, deutschlandweit): Fernsehen 600 € + Funk 450 € + Kino 600 € + Online 600 € = 2250 €

Es gibt diverse Pakete zwecks Sprecherpreisen und bei großen Produktionen gehen die Auftraggeber davon aus, dass du einen Rabatt anbietest. Noch nicht genug Zahlen? Der VDS – Verband Deutscher Sprecher bietet Jahr für Jahr eine aktualisierte und kontinuierlich weiterentwickelte Sprechergagenliste frei zugänglich im Netz an. Diese dient als Orientierungshilfe und ist keine tarifliche Absprache. Hilft aber ungemein, wenn man als Sprecher innerhalb kürzester Zeit eine Gagenvorstellung kommunizieren soll und man nicht weiß, was angebracht ist.

Thema Synchron. Was verdient ein Synchronsprecher?

Beim Thema Synchron sieht das Ganze etwas anders aus. Als Synchronsprecher bekommst du zum einen eine sogenannte „Kommgage“, gleichzusetzen mit einer Grundgage, die du unabhängig von der Anzahl der Takes, die du einsprichst, bekommst. Zum anderen bekommst du eine Takegage. Die komplette Synchronfassung wird in kleine Takes unterteilt, wobei Takes aus nur einem Atmer, zwei Wörtern oder mehreren Sätzen bestehen kann. Pro Take erhältst du zusätzlich zur Kommgage, die zwischen 30€ und 80€ liegt, 2,50€ und 4,00€. Mit Zahlung der Gesamtgage sind in der Regel alle Verwertungsrechte abgegolten.

Thema Hörbuch. Wie liegen die Sprecherpreise bei Hörbuchsprechern?

Auch hier kommt es natürlich extrem auf die Erfahrung und den Bekanntheitsgrad des Sprechers an. Im Normalfall wird ein Hörbuchsprecher pro Studiotag bezahlt, der aus max. 4-6 Stunden besteht. Der erste Tag wird etwas besser vergütet, da die Vorbereitungszeit des Sprechers hier mit einkalkuliert wird. Eine übliche Gage für Tag 1: 800€. Für alle weiteren Studiotage: 600€. Mit Zahlung der Gage sind in der Regel alle Verwertungsrechte abgegolten.

Als Neuling in der Sprecherbranche scheinen Sprecherpreise und Verwertungsrechte stark der Raketenwissenschaft zu gleichen. Nimmst du dir aber einmal die Zeit und arbeitest die Gagenliste Deutscher Sprecher durch und recherchierst bei uns oder im Netz, wird dir vieles klarer. Bei Facebook gibt es tolle Gruppen für Sprecher, in denen du bei Fragen umgehend Hilfe vom Profi bekommst. Es ist wichtig, dass du dich nicht, der Einfachheit halber, unter Wert verkaufst. Nicht nur für dich, sondern für den kompletten Sprechermarkt. Sprechen ist ein Beruf und muss deshalb auch wie einer bezahlt werden. Falls du konkrete Fragen hast, melde dich gerne jederzeit bei uns per Mail. Wir helfen, wo es geht!