Wie Ich In Nur 45 Minuten Mutter Wurde – Als Synchronsprecherin kein Problem!

Synchronsprecherin bei der Arbeit

Ich habe es getan – ich habe ein Kind bekommen. Und, was soll ich sagen? Es tat gar nicht so weh, wie alle immer meinen. Die stellen sich vielleicht an die Frauen… tz. Spaß beiseite. Ich habe als Synchronsprecherin schon viel erlebt, aber meine erste Geburt werde ich nicht vergessen.

Als Synchronsprecherin weißt du morgens nicht, was du mittags sprichst

Als ich eines Tages bei Splendid Synchron reinschlendere und mir die Disponentin sagt, für welche Serien ich heute spreche, habe ich noch keine Ahnung, was auf mich zukommen wird. „Call the Midwife“ und „Orphan Black“. Noch nie was von gehört. Weder von der einen, noch von der anderen Serie. Schande über mein Haupt. Aber wenn wir ehrlich sind, geht es den meisten Sprechern so. Bei der Vielzahl an neuen Serien und Filmen, die gerade dank Netflix und Amazon Prime produziert werden, verliert man gerne schon mal den Überblick. Man kann nicht alles gucken. Zum Glück musst du aber für eine Episodenrolle auch nicht den kompletten Cast inklusive Stammbaum auswendig lernen. Und bei manchen Serien, machst du zugegebenermaßen drei Kreuze, wenn du sie dir nicht anschauen musst. Aber das ist ein anderes Thema.

Als Synchronsprecher weißt du manchmal morgens nicht, für welche Serie du mittags sprechen wirst. Geht es um größere, vielleicht sogar durchgängige Rollen, wird natürlich vorher darüber gesprochen, vielleicht wird für diese Rollen sogar gecastet. Aber bei Episodenrollen kommt es sehr oft vor, dass du erst im Studio erfährst, was du zu tun hast.

Zwei Rollen die unterschiedlicher nicht sein könnten – als Synchronsprecherin geht alles

So kommt es also, dass ich innerhalb von zwei Stunden einer sturzbetrunkenen Lesbe in „Orphan Black“ meine Stimme leihe und ein Kind in „Call the Midwife“ gebäre. Zwei Rollen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwei Rollen, die etwas von mir und meinen schauspielerischen Fähigkeiten abverlangen. Denn genau das ist Synchron: Schauspiel mit der Stimme. Ich hasse es, wenn Schauspieler betrunken spielen und man ihnen sofort anmerkt, dass sie noch nicht mal am Glas genippt haben. Das gilt natürlich dementsprechend auch für die deutsche Synchronstimme. Und nur falls die Frage aufkommen sollte: nein, ich habe mir kein Piccolöchen vor den Aufnahmen gegönnt…

Tja und ein Kind unter starken Wehen, inklusive Hecheln und Pressen, in die Welt zu setzen, ist natürlich auch nicht so ganz ohne. Geht dann im Endeffekt aber doch ganz schnell. Schwanger von meinem reichen Mann, Wiedersehen mit einer alten Schulfreundin, Zickenkrieg, ein paar Höhen, ein paar Tiefen, Geburt, Krankenhausevakuierung zwecks Großbrand, Kinder vertauscht, Streit mit der Freundin von früher, Versöhnung mit der Freundin von früher, und am Ende hält doch jede von uns ihr eigenes Kind in den Händen und weint vor Freude. Das alles in sage und schreibe 45 Minuten… nicht schlecht, oder?